02 Misshandlungen in Regensburg/Etterzhausen

Dieser Betroffene, der schon lange Zeit in den USA lebt, hatte sich bereits im MĂ€rz 2010 mit einer mail an die mittlerweile verstorbene Frau Dr. Böhm gewendet und bereits einige Details geschildert. Nach einigen Wochen wurde die Bearbeitung dann an die Gewaltbeauftragte Glass-Hoffmann weitergereicht. Es folgte ein langwieriger Schriftwechsel per mail mit weiteren Mitteilungen durch den Betroffenen, sowie einige Telefonate. Schließlich hat er auf Anforderung durch die Gewaltbeauftragte den folgenden umfangreichen Bericht verfasst. SpĂ€tere ErgĂ€nzungen sind hier nicht enthalten. (Der Originaltext wurde mit einer amerikanischen Tastatur verfasst. Um die Lesbarkeit zu erhöhen hat unsere Redaktion die entsprechenden Buchstaben (Umlaute, ß) korrigiert. Ebenso wurde teilweise die Schreibweise der genannten Namen korrigiert.)

Januar 2011
Sehr geehrte Frau Glass-Hoffmann,
Dies ist meine Stellungnahme ĂŒber VorfĂ€lle von Misshandlungen gegenĂŒber mir und anderen Zöglingen bei den Regensburger Domspatzen. Ich muss gestehen, obwohl ich mich an einige VorfĂ€lle bis in das feinste Detail erinnere, fiel es mir es schwer diesen Bericht, der nicht alle Schandtaten und alle Beteiligten zitiert, die ich erleben musste, nach 50 Jahren zu schreiben, da ja alles wieder noch deutlicher ins Bewusstsein hervorgebracht wird.
Ich möchte mich auf die Seite aller Internatszöglinge stellen, die bisher hervorgetreten sind. Ich habe den Wunsch, dass diese VorfĂ€lle nicht als gegenstandslos unter den Tisch gekehrt werden. Vor allem aber habe ich den Wunsch, dass solche sadistischen systematischen Übergriffe und Verletzungen gegenĂŒber Kindern, damals sogar zum Teil von angeblich in Gottes Namen handelnden kirchlichen Stellvertretern ausgefĂŒhrt, in Zukunft nie wieder vorkommen. Wenn sich das als unvermeidbar erweisen soll, wĂŒnsche ich mir, dass eine Untersuchung und Intervention nicht erst nach Ablauf von mehreren Jahrzehnten, oder wie in meinem Fall, eines halben Jahrhunderts, durchgefĂŒhrt wird.
Über die Medien, speziell „Marin Independant Journal“. ein regionales Tagesblatt in Marin County bei San Francisco, USA, habe ich 2010 zum ersten Mal erfahren, dass sexueller Missbrauch und physischer Missbrauch an Internatszöglingen von Erziehungsberechtigten bei den Regensburger Domspatzen in der Öffentlichkeit in Deutschland bekannt wurden.
Mit diesem Schreiben bestĂ€tige ich als Zeuge VorwĂŒrfe von physischen und psychischen Misshandlungen von Kindern, die sich teilweise noch im Alter von unter 10 Jahren befanden. Diese VorfĂ€lle fanden oftmals vor den Augen von anderen Zöglingen statt. Nicht nur aus Wut und spontaner Unbeherrschtheit, sondern auch mit berechnender Vorplanung und in Abwesenheit von Augenzeugen wurden wir zu privaten Misshandlungen richtiggehend bestellt.
Ich war noch nicht ganz 9 Jahre alt, 1962, bei der Aufnahme in die vierte Volksschulklasse im Internat Etterzhausen. Ich war 1963, 1964 und 1965 dann drei Jahre bei den Regensburger Domspatzen im Internat in der Reichsstraße.
Die Misshandlungen an uns Kindern fanden tĂ€glich statt und alle Erzieher waren daran beteiligt mit einer einzigen Ausnahme: Herr Schrems der mich auch die lĂ€ngste Zeit als Chorleiter unterrichtete, ein Neffe des damals verstorbenen Geistlichen Schrems. Ich fragte mich damals, wie ein so netter und der Musik verschriebener Mensch in einem solchen Umfeld, dessen ursprĂŒngliches Haupt sein eigener Onkel gewesen war, ĂŒber so viele Jahre hinweg arbeiten konnte.
Ich möchte einige Personen hervorheben, die sich besonders bei Kindesmisshandlungen hervortaten:
Herr Meier, Internatsdirektor, Etterzhausen:
BenĂŒtzte einen Stock. Dieser Stock befand sich immer in seiner NĂ€he. Beim Essen in der Mensa lag er hinter dem Tisch. ZĂŒchtigung, sofern er es fĂŒr nötig empfand, sollte es auch beim Essen geben auf dem Podium wo er mitsamt der Aufsicht saß. WĂ€hrend er die Sonntagsmesse im Priestergewand hielt, schlug er mit den HĂ€nden zu. Ich kann mich genau erinnern, wie die Brille eines der Ministranten, des Zöglings N.N. (Name von der Red. entfernt), nach einer Ohrfeige bis hinter den Altar fiel. Herr Meier war extrem irritierbar. Das Essen von Salami war unter Androhung von SchlĂ€gen verboten.
Herr Siegfried Lintl, Internatsdirektor, Regensburg:
Er schlug nicht tĂ€glich zu, drohte aber damit und wenn, dann machte er es, wenn man in der NĂ€he einer Wand oder Ecke stand. Erst kam ein Wortschwall von DemĂŒtigungen, was folgte war eine Mischung aus Schubserei und Abwatscherei ins Gesicht, Boxen am Körper. Ich kann mich genau an einen Vorfall erinnern, im Beisein von Herrn Freundl und mehreren anderen anwesenden Zöglingen, als ein Bub nach dem ersten Angriff an der Wand das Gleichgewicht verlor, entlang zu Boden hinfiel und Herr Lintl sich nach ihm in die Knie bĂŒckte, um ihn mit weiteren Hieben aus etwas kĂŒrzerer Entfernung besser erreichen zu können. Manchmal wurde man von anderen Erziehungsberechtigten zu Herrn Lintl bestellt, darunter befand auch einmal ich mich selbst, fĂŒr oben beschriebenes Ritual, alleine vor die TĂŒr seiner Wohnung, ein enger Bereich im Treppenhaus mit einer Ecke auf der einen Seite und dem Treppenauf- und Abgang auf der anderen Seite, der bei selbst besten Reflexen wenig Auswegmöglichkeit bot.
Bei einem weiteren Vorfall wĂ€hrend des Duschens wurde ich unter der Brause von einem PrĂ€fekten (kann mich nicht mehr an den Namen erinnern) angegriffen. Ich wich aus und verletzte mich an den Armaturen. Es floss Blut aus meiner Platzwunde am Kopf, ich wurde aus der Dusche genommen und Herr Lintl besah sich die Wunde. Er hielt es fĂŒr unnötig, die Wunde ambulant im Regensburger Krankenhaus schließen zu lassen, da ich ja “Haare am Kopf hatte und die entstehende Narbe unsichtbar bliebe“. Siehe auch vorausgegangene e-mail.
Herr Georg Ratzinger, Chorleiter, Regensburg:
Ich war in seinem Chor gottseidank nicht lange. In j e d e r meiner Chorstunden kam ein Zögling unter seine Finger. Er ging auf einen zu, packte ein gutes StĂŒck HaarbĂŒschel mit seiner gesamten Hand ĂŒber dem Ohr und zog dann uns Buben nach oben, bis wir auf den Zehenspitzen standen. Dann verharrte er eine Weile um den Zug nach oben zu verstĂ€rken, dann zog er wieder nach unten und wiederholte das Ganze fĂŒr ein, zwei Minuten. Das Finale war eine schallende Ohrfeige. Einige Buben wollten das nicht mitmachen und versuchten sich loszureißen. Herr Ratzinger hielt sie aber fest im Griff und mehrmals blieben ganze HaarbĂŒschel an seiner Hand hĂ€ngen, als er bereits wieder den Taktstock schwang. Manchmal musste er sich die ausgerissenen Haare von seinem Gewand abstreifen oder fielen Haare von seiner Hand wĂ€hrend des Dirigierens herab.
Eines machte Herr Ratzinger anders: Er schlich sich nicht an oder suchte sich eine Wand oder Ecke, einen Moment, wo sich der Zögling in einer ausweglosen und hilflosen Position wie z.B. beim Sitzen befand und mit wenig Möglichkeiten, einem bevorstehenden Angriff auszuweichen. Er ging offen auf uns in der aufgestellten Chorreihe stehende Buben zu.
Schwester „Kobra“ (richtiger Name ist mir nicht gelĂ€ufig):
„Kobra“, die in der KĂŒche und beim Servieren des Essens mit beteiligt war, benĂŒtzte oftmals ihre FĂ€uste. Kobra war von innen bis außen ein hĂ€sslicher, bösartiger Mensch. An einem Abend beschwerte sie sich einmal an unserem Tisch, dass wir nicht schnell genug die Suppe essen. Wenig spĂ€ter sahen mich meine gegenĂŒbersitzenden Internatszöglinge entsetzt an. Ich wusste in diesem Moment noch nicht warum. WĂ€hrend ich am Tisch saß, hatte sich die Schwester „ Kobra“ von hinten unbemerkt an mich rangemacht. Was folgte, war ein Trommelwirbel von FaustschlĂ€gen auf meinen Kopf und ich verlor vorĂŒbergehend mein Bewusstsein und mein Kopf sank in die Suppe. Der GerĂ€uschpegel im ganzen Saal sank nach unten. Dies ereignete sich unter Aufsicht einer Gruppe um Herrn Lintl und Herrn Freundl, die auf einem erhöhten Podium zur Aufsicht saßen und ihre Mahlzeit verspeisten. Keiner sprang zu Hilfe oder um sich nach meinem Befinden zu erkundigen. Einer meiner damaligen Tischnachbarn, N.N. (Name wurde von der Red. entfernt) sagte mir spĂ€ter, die Schwester hĂ€tte einen unglaublichen Ausdruck von Wut in ihrem Gesicht gezeigt, als sie sich von hinten an mich annĂ€herte und bevor Sie zu schlagen anfing.“ Wir (Er) und unsere Tischnachbarn waren uns (sich) bewusst, dass mir etwas Außergewöhnliches (disziplinarische Strafe) passieren wĂŒrde.“
Herr Kula, Geigenlehrer:
Er zog mich an den Haaren oder gab mir Ohrfeigen und zwar wĂ€hrend ich die Violine spielte, in jeder Unterrichtsstunde. Unterbrach ich dann deshalb das Violinspielen, gab es noch hĂ€rtere SchlĂ€ge. Mehrmals in der Stunde drĂŒckte er das Instrument gegen mein SchlĂŒsselbein, um mir zu „beweisen“, ich brĂ€uchte eine bessere AbstĂŒtzung als mein kleines notdĂŒrftiges und damals auf dem Geigenmarkt billigstes Kissen, das mir meine Eltern gekauft hatten. Er unterschied sich von den anderen, indem er das Selbstbewusstsein der nicht so guten Geigenspieler mit gezielteren Worten und kalkulierend unterhöhlte.
Herr Völkl, ein damals relativ junger PrÀfekt:
Extrem leicht irritierbar, er wollte nicht, dass man ihm ins Gesicht blickte. Das Beste war, man blieb stumm und sah ihn nicht an. Er ließ sich mehrfach dazu hinreißen, etwas lĂ€nger seine HĂ€nde und FĂ€uste bei bereits Heranwachsenden zu benutzen, die ĂŒber das Stimmbruchalter hinaus waren. Bei uns Kleineren blieb es bei Kombinationen von Ohrfeigen, mit HĂ€nden, die unerwartet oft und unglaublich schnell hervorschnellten.
Herr Wilhelm Freundl:
Ganz entgegengesetzt zu seinem Namen war er es, der mit Abstand am unfreundlichsten herausragte. Die Kinder nannten ihn „PrĂŒgel“. Die „grĂ¶ĂŸte Bestrafung“, vor der sich jeder am meisten fĂŒrchtete, blieb mir erspart. Einige Zöglinge zu meiner Internatszeit wurden in ein Zimmer bestellt, ich glaube es war im Parterrebereich oder ersten Stock, ein Gang nach links vom Haupteingang gesehen, das Zimmer lag auf der rechten Seite des Ganges , wo er sie sich richtig „im Privaten“ und im verschlossenen Zimmer vornahm. Unter uns Zöglingen war bekannt, solche PrĂŒgel dauerten lange und wurden mit mehreren Unterbrechungen und Zur-Redestellungen ausgefĂŒhrt.
Herr Freundl schlug tĂ€glich. Herr Freundl schlug niemals, zumindest fĂŒr mich nicht erkennbar, im Zorn oder aus Wut. Herr Freundl erschien gelassen und gleichmĂŒtig wenn er jemanden schlug. Er schlug uns mit System und Routine in aller Offenheit und aber auch in der Stille zur Studierzeit oder in Bereichen und Momenten, wo keine Augenzeugen anwesend waren.
Herr Freundl war ein gewandter Schleicher. Er ersparte sich Ermahnungen oder Verwarnungen, Vorwarnungen. Wenn ihm etwas am Benehmen eines Zöglings nicht gefiel, schlich er sich lautlos und unbemerkt von hinten an und schlug zu. Nur wenn anschleichen und ĂŒberraschend zuschlagen nicht möglich war, ging er direkt auf einen los. In der Studierzeit am Pult sitzend hatte er sich immer unbemerkt und von hinten herangeschlichen. Man spĂŒrte ganz ĂŒberraschend und auf einmal einen ungeheuren stechenden Schmerz am Kopf.
Er unterschied sich nicht nur in der GrĂ¶ĂŸe, HĂ€ufigkeit und BrutalitĂ€t von den anderen, sondern er zeigte meistens eine bewegungslose Miene mit offenen Augen in seinem Gesicht. Vorher, wĂ€hrend des Vorgangs und anschließend. FĂŒr den gesamten Teil des Tages, den wir gezwungenermaßen in seiner NĂ€he miterleben mussten, seine Gesichtsmimik Ă€nderte sich selten, vergleichbar mit dem, was man Jahrzehnte spĂ€ter vom Englischen als „staying cool“ einbĂŒrgerte. Man konnte es ihm nicht ansehen, aber jeder von uns bekam es irgendwann mal zu spĂŒren, frĂŒher oder spĂ€ter. Mindestens ein Zögling, aber meistens mehrere Zöglinge wurden von ihm tĂ€glich vor unserer aller Augen misshandelt.
Herr Freundl gab mir regelmĂ€ĂŸig „KopfnĂŒsse“. (Fausthieb mit ausgestrecktem Mittelfingerknöchel auf die SchĂ€deldecke) In der Regel dreimal in der Woche. Wegen seiner von uns Kindern aus her gesehen stattlichen KörpergrĂ¶ĂŸe, hatte er ĂŒber uns kleine Buben eine enorme Hebelkraftwirkung von oben, selbst wenn wir direkt vor im aufrecht standen. Er konnte gut mit seinen langen Armen ausholen. Es entstanden eine oder mehrere Beulen, je nach Anzahl der KopfnĂŒsse. Diese KopfnĂŒsse teilte er oft von hinten an Zöglinge, die sich in Sitzstellung befanden. Einer seiner KopfnĂŒsse erteilte er, als ich schon abends im Bett lag.
Herr Freundl benutzte mehrmals den Deckel unserer Schreibpulte, ein ca. 4cm dickes Brett, um ihn auf den Kopf, auch meinen Kopf zu schlagen. In der Studierzeit saß ich an meinem Pult und kramte oder las im Pultfach, was verboten war. Das Pultfach befand sich unter dem Deckel, der an einem Scharnier am hinteren Rand des Pultfachs angebracht war. Meinen Kopf neigte ich unter den von mir mit einer Hand schrĂ€g hochgehobenen Pultdeckel. Wir Kinder hatten damals genug Reflexe und hĂ€tten unseren Kopf leicht vom Pultdeckel heraus und vorher rechtzeitig aus der Gefahrenzone wegziehen können. Eine Verletzung wĂ€re also durchaus zu verhindern gewesen, wenn nicht Herr Freundl, in der Stille der Studienzeit, wo absolutes Silentium zu herrschen hatte, so geschickt und ohne einen Fußtritt hören zu lassen, sich von hinten angeschlichen hĂ€tte. Auch dies geschah ohne Verwarnung des Herrn Freundl. Wir selbst versuchten uns manchmal zu warnen, wenn er im Anschleichen war. Die PrĂŒgel sollten uns unvorhergesehen und unerwartet treffen und auf unseren Körpern landen und wer warnte, um ihm die Möglichkeit des ĂŒberraschenden Angriffs wegzunehmen, kam zuerst daran und wurde selbst von ihm geschlagen. Dieselbe Misshandlung bekamen ich und meine Kameraden in regelmĂ€ĂŸiger Form zu meiner Internatszeit in Regensburg zu spĂŒren.
Einige Male arbeitete er im Team zusammen mit Herrn Lintl, um Zöglinge zu zĂŒchtigen. Herr Freundl war oft mit Herrn Lintl zusammen. Sie patrouillierten die Korridore miteinander, mit gewissem Abstand hintereinander oder nebeneinander. So war es nur natĂŒrlich, dass bei Misshandlungen, die von Herrn Lintl initiiert waren, Herr Freundl oftmals schnell in der NĂ€he war. Herr Freundl hielt Herrn Lintl nicht ab, weder mit beschwichtigenden oder beruhigenden Worten, noch mit Taten.
Im Gegenteil, ich erinnere mich an VorfĂ€lle, wo er sich dem physisch nicht so gewandten Herrn Lintl tatkrĂ€ftig anschloss. Zusammen im gleichen Moment schlugen sie dann auf denselben Buben ein, dem sich Herr Lintl gerade an diesem Tag und im Moment seines Zornes zugewandt hatte. Herr Freundl brauchte da kein „Motiv“ oder Einzelheiten ĂŒber eine etwaige „Missetat“ des Buben zu wissen, die Herr Lintl glaubte im gegebenen Moment erkannt zu haben. Herr Freundl handelte da nicht aus irgendwelchen fĂŒr ihn sofort ersichtlichen disziplinarischen GrĂŒnden.
Herr Freundl handelte und mischte sich ein, weil sein Kollege Lintl bereits schlug. Die zwei geistlichen Herren halfen sich gegenseitig ihre Opfer in die Enge zu treiben, meist in den GĂ€ngen, ihnen den Ausweg zu versperren, sie festzuhalten und zu schlagen. Umgekehrt, wenn Herr Freundl zu schlagen anfing, sah Herr Lintl nur zu, setzte daneben stehend seine Lesung in seinem geistlichen Buch fort. Herr Freundl hatte die „Situation“ bereits fest im Griff.
Bereits von Anfang meiner Regensburger Internatszeit wollten Herr Lintl und Herr Freundl ihre sadistische Beziehung mit uns Zöglingen verfeinern und erweitern. Diesen Zusammenhang möchte ich mit den nÀchsten AbsÀtzen erklÀren, bevor ich zum Schluss komme.
Sie wollten, dass wir zu ihnen zur Beichte in die Hauskapelle kommen, möglichst regelmĂ€ĂŸig und nicht in zu großen ZeitabstĂ€nden. Ich selbst bin nur ein einziges Mal gegangen, und zwar ganz am Beginn des ersten Schuljahres in Regensburg. Aber nach den ersten VorfĂ€llen war mir klar, dass es sich nur um eine Fortsetzung meiner seelischen NotstĂ€nde Ă€hnlich wie in Etterzhausen, nur in schlimmerem Ausmaß, handelte. Ich ging daher nie wieder zu Herrn Lintl und Herrn Freundl in die Beichte, wie die Herren ausdrĂŒcklich von mir mehrfach gewĂŒnscht hatten. Ich wog das Ausmaß der möglichen Konsequenzen des nicht zur Beichte und des zur Beichtegehens, ab. Ich entschied mich nicht zu gehen.
Ich konnte unter den gegebenen UmstĂ€nden damals (und auch heute) nicht ersehen, was fĂŒr einen guten religiösen Zweck oder möglicherweise anderen guten Grund Beichten gehabt haben sollten. Diese Beichte(n) sollte ich bzw. wir damals bei denselben Personen ablegen, die gleichzeitig an den kontinuierlichen Misshandlungen gegenĂŒber uns Kindern hauptverantwortlich waren.
Ganz alleine in die abgelegene Hauskapelle zu gehen, ohne Anwesenheit von anderen Personen sich mit einem dieser zwei Ungeheuer dort zu treffen, Gott um Vergebung zu bitten in Form einer Beichte, knieend gegenĂŒber diesen abscheulichen Menschen, von denen man zuvor geschlagen worden war, erschien mir gleichsam einer psychischen Folter. Ein Mensch von Wertlosigkeit zu sein und nicht religiös und gottglĂ€ubig genug zu sein, so wie es mir von Herrn Freundl und Herrn Lintl „vermittelt“ wurde, war bereits schlimm genug.
Zu diesem Zeitpunkt und in dieser Situation hĂ€tte eine Beichte nur einen einzigen guten Zweck und Grund gehabt: Einen persönlichen Bericht abzuliefern an die zwei Geistlichen, Herr Lintl und Herr Freundl. Alles was im Internat geschah, inklusive ihre eigenen sadistischen Misshandlungen an uns Kindern, wurde von ihnen ĂŒberwacht, und mit einer Beichte eines der von ihnen misshandelten Internatszöglingen ergab sich damit fĂŒr sie die Gelegenheit, den erreichten Grad der UnterwĂŒrfigkeit zu ermessen, die Willigkeit und FĂŒgigkeit ihrer ausgewĂ€hlten Opfer zu testen, sich ihrer eigenen Macht zu vergewissern.

Zum Schluss genĂŒgt es zu sagen, dass oben bezeichnete Personen bei den Regensburger Domspatzen uns meist als einen Gegenstand, unfreundlich und als ein Ärgernis betrachteten. Sie waren arrogant und begegneten uns mit DrohgebĂ€rden. Sie sahen zu, wie oben genannte mĂ€nnliche Kollegen und Schwester „zur Tat gingen“.
Sie hĂ€tten im Ablauf der Jahre oftmals Gelegenheit gehabt ein oder mehrere Misshandlungen zu verhindern. Es brauchte keine Anwendung von bĂŒrgerlichem Ungehorsam um sowohl ihrer professionell erzieherischen Aufgabe als auch ihrer Aufgabe gegenĂŒber der Kirche und der Menschlichkeit gerecht und dienlich zu werden. Sie unterließen Hilfeleistung und vertuschten gegenseitig die Misshandlungen gegenĂŒber der Öffentlichkeit und innerhalb einer zivilisierten hochentwickelten menschlichen Gesellschaft.Zu jedem Zeitpunkt hĂ€tten sie das Recht gehabt freiwillig einschreiten zu können, oder selbst auf eigenen Wunsch ihre Misshandlungen einzustellen.
Kein einziges Mal wurde etwas Böses zu diesen Erziehungsberechtigten von uns gesagt, geschweige denn, einer der Zöglinge hĂ€tte sie angegriffen. Im Gegenteil, in diesem sadistisch geprĂ€gten Internatsleben ,wo man SchlĂ€gen tĂ€glich auszuweichen, oder ErklĂ€rungen abzugeben versuchte, um die SchlĂ€ge zu verhindern, hĂ€tte zu widersprechen oder sich vielleicht ĂŒber einen Zustand im Haus zu beschweren, nur bedeutet, eine Tracht PrĂŒgel mehr zu bekommen.
Diese Ausschreitungen waren Bestandteil unseres und ihres tĂ€glichen Lebens. Meine Kopfnarbe ist nun nach Haarausfall deutlich sichtbar. Missbrauch an einem Menschen im Kindesalter, unter Androhung und Anwendung von Gewalt, in Angst und Furcht zu leben, auch wenn nur fĂŒr den Zeitraum von vier Jahren, wie das bei mir der Fall war, hat lebenslange psychische Narben hinterlassen und gewisse Wunden sind nie verheilt.
Seit meinem damaligen Austritt von den Regensburger Domspatzen nenne ich mich nicht mehr Claus-Peter Eben, als der ich unter diesem Namen bei den Domspatzen gefĂŒhrt wurde und der mich an diesen grauenvollen Teil meines Lebens erinnert.
Gez. Claus Eben