Keine Rücksicht auf die Gefühle der Missbrauchsopfer

Eigentlich hatten wir uns vorgenommen, uns auf dieser Homepage ausschließlich mit den Mißbrauchsfällen und Gewaltexzessen in den Schulen und Internaten der Regensburger Domspatzen zu beschränken. Die Ereignisse der letzten Monate bringen es jedoch mit sich, dass wir gelegentlich über diesen Tellerrand hinaussehen müssen.

Ende Juli 2011 wurde im Bistum Regensburg eine „kirchenrechtliche Voruntersuchung“ in der „Causa Pfr. i. R. Sturmius Josef Wagner“ angeordnet. Im September waren dann auch einige der Mißbrauchsopfer zur „Einvernahme“ in Regensburg und ihre Aussagen wurden ein weiteres Mal protokolliert (allein die Aufforderung die gleichen Geschichten immer wieder neu erzählen zu müssen, ist für manche der Mißbrauchsopfer mehr als eine Zumutung!). Andere, dem Bistum bekannte Personen, die zu den Sachverhalten etwas sagen können, wurden bislang nicht geladen. Gleiches gilt für die Vorwürfe späterer Taten im Bistum Eichstätt in den 1980er und 90er Jahren. Alle uns bekannten Opfer von Übergriffen im Bistum Eichstätt wurden bis heute nicht zu einer solchen Aussage geladen.
Besonders pikant erscheinen diese Umstände, wenn man sich daran zurückerinnert, dass sich das Bistum Regensburg im Fall Sturmius Wagner bis in den Sommer 2011 hinein für nicht zuständig erklärt und immer auf das Bistum Eichstätt verwiesen hat.
Zunächst hatte der Eichstätter Bischof sehr schnell reagiert, als die ersten Vorwürfe gegen Sturmius Wagner in der Öffentlichkeit erhoben wurden. Er hat ihn von seinen seelsorgerischen Aufgaben entbunden und in den einstweiligen Ruhestand versetzt. Danach hat man aber vom Bistum Eichstätt nichts mehr gehört, nur noch von Sturmius Wagner selbst (siehe hierzu die älteren Artikel auf dieser Website) und dabei beweist er regelmäßig, dass ihn die Vorwürfe zu seiner Vergangenheit scheinbar nicht interessieren. Er erweckt den Eindruck, dass er ausschließlich darauf hinarbeitet, baldmöglichst wieder ein „normales“ Priesterleben zu führen, so als wenn nie etwas gewesen wäre und er scheint darauf zu spekulieren, dass ihn ein mögliches Urteil in einem kirchenrechtlichen Verfahren (wenn überhaupt) erst in ferner Zukunft erreichen wird. Die Wahrscheinlichkeit, dass eine solche Spekulation aufgeht ist sehr hoch. Erfahrungen aus der Vergangenheit zeigen, dass das kirchenrechtliche Verfahren durchaus sechs bis zehn Jahre dauern kann.
Es ist also wenig verwunderlich, dass sich unter den Mißbrauchsopfern helle Empörung  zeigte, als einer von ihnen im November 2011 über die Homepage des Crescentia-Klosters in Kaufbeuren stolperte und er dabei auf einem Foto sofort Sturmius Wagner bei einem offiziellen Auftritt im Priestergewand erkannte, inmitten seiner Kollegen auf öffentlichem Straßenland, vor oder nach dem Empfang beim Bürgermeister, der wohl auch nicht genau informiert war, wen er da begrüßt hatte. Praktischerweise lag der Auftrittsort weder im Bistum Regensburg, noch im Bistum Eichstätt, was den dort regierenden „Oberhirten“ die Möglichkeit geben wird, darauf zu verweisen, dass sie dafür nicht zuständig sind.
Mittlerweile ist der Artikel von der Frontseite der Klosterhomepage abgesetzt und ohne Foto in das anhängende Archiv verbannt worden.

Für alle, die an der Originalveröffentlichung interessiert sind hier der Link:

Neues aus dem Kloster St Wagner

Siehe hierzu auch den Kommentar: „Ihr Kinderlein kommet …“