Fünf weitere Fälle und die Kirche verharrt in Schweigen (Sturmius Wagner)

Obwohl wir bislang mit unserer Arbeit weder an die Presse noch in anderer Form an die Öffentlichkeit getreten sind, hat diese Seite genügend Aufmerksamkeit erzeugt, um uns eine Vielzahl von Hinweisen und Informationen zukommen zu lassen, denen wir schrittweise nachgehen. Im Gegensatz zur Mißbrauchsbeauftragten des Bistums Regensburg sehen wir uns jedoch gezwungen einen Zwischenbericht abzugeben, da bei der Vielzahl der Informationen und der gebotenen Umsicht bei der Recherche ein Ende der Aufarbeitung aller Informationen noch lange nicht in Aussicht steht.

Insgesamt wurden uns bislang 5 weitere Schüler gemeldet, die von ähnlichen sexuellen Übergriffen durch den Präfekten Sturmius Wagner Anfang der 70er Jahre im Internat der Regensburger Domspatzen betroffen waren, wie sie Alexander Probst der Presse mitgeteilt hat. Zeitlich gesehen liegen diese Übergriffe teilweise nach dem Termin (im Sommer 1971), an dem der Vater von Alexander Probst bei der Internatsleitung wegen der Übergriffe auf seinen Sohn vorgesprochen hatte. Sturmius Wagner war ja noch mehr als ein halbes Jahr danach als Präfekt in der Dompräbende tätig, was ihn nicht hinderte zumindest einen seiner „Lieblinge“ bis in das Internatsgebäude der Klassen 7 bis 13 zu verfolgen, obwohl er dort keine erzieherische Zuständigkeit hatte. Dort kam es auch zu einem „öffentlichen“ Übergriff, der auch die Gerüchteküche unter den Schülern anheizte. Mit den damals im Internat üblichen Druckmitteln wurden die Schüler zum Schweigen gebracht, die über den Vorfall redeten: „Wenn Du nicht aufhörst solche Geschichten zu erzählen, rufen wir Deine Eltern an, die können Dich dann abholen.“
Untermauert werden diese Darstellungen vor allem durch das Erlebnis eines Opfers. Älteren Schülern war auf ihrem Weg zur Turnhalle (diese wurde auch zur Freizeitgestaltung genutzt) aufgefallen, dass immer wieder Schüler aus den Räumlichkeiten des Präfekten Sturmius Wagner kamen. Diese Räumlichkeiten waren im Tiefparterre der Dompräbende direkt am Gang zur Turnhalle gelegen. Auf die Fragen, was die Schüler beim Präfekten zu tun hatten, gab es nur ausweichende Antworten. Einige ältere Schüler schnappten sich also eines Tages einen der Besucher und „entführten“ ihn in ihr Zimmer im Internatsgebäude der Klassen 7 bis 13 und hielten ihn dort mehrere Stunden fest um ihn über das Treiben im Präfektenzimmer auszuhorchen. Die Angst des Opfers vor dem Präfekten war aber größer, als die Angst vor den Mitschülern und so schwieg er tapfer, bis sie ihn schließlich wieder laufen ließen.

Mit zwei der o.g. Opfer konnten wir bisher sprechen. Die Geschehnisse ähneln weitgehend den Darstellungen, die Alexander Probst öffentlich gemacht hat und müssen deshalb hier nicht wiederholt werden. Beide Opfer haben sich auch schon sehr frühzeitig an die Mißbrauchsbeauftragte der Diözese Regensburg gewandt, wollen sich aber aus privaten und/oder beruflichen Gründen nicht in die Öffentlichkeit stellen. 
Entgegen allen Versprechungen aus dem Jahr 2010 ist zu diesen Meldungen bei der Mißbrauchsbeauftragten bis heute keinerlei Mitteilung an die Öffentlichkeit gelangt. Und es gibt auch keinerlei Ankündigung wann dies endlich geschehen soll.
Wir werden jedenfalls auch den Kontakt zu den übrigen Opfern suchen und sie können sicher sein, dass wir auch da rücksichtsvoll und mit Respekt handeln werden, solange wir entsprechend behandelt werden. Unsere Arbeit wird hier weiter fortgesetzt, bis alle erreichbaren Informationen aufgearbeitet und veröffentlicht sind.